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SNF-Forschungsprojekt «Mensch und Haus»

Ein interdisziplinäres Team von Forschenden widmet sich dem Wohnen, Bauen und Wirtschaften in der ländlichen Schweiz. Im Zentrum stehen ausgewählte Bauernhäuser im Freilichtmuseum Ballenberg.

Wir haben die Forschenden besucht und einen Film gedreht –hier der Link auf Youtube.

Wer waren die Menschen, die in den Bauernhäusern des Freilichtmuseums auf dem Ballenberg gelebt haben? Von was haben sie gelebt? Wie haben sie gewohnt? Und wie haben sie ihren Alltag bestritten? Ein Forschungsprojekt des Schweizerischen Nationalfonds versucht, diese Fragen zu beantworten. Ende April haben sich die beteiligten Forschenden im Freilichtmuseum Ballenberg zu einem Architektur-Workshop getroffen.

Unter der Leitung von Professor Walter Leimgruber (Universität Basel), Dr. Marion Sauter (Berner Fachhochschule, Institut für Architektur) und Beatrice Tobler (Leiterin Wissenschaft Schweizerisches Freilichtmuseum Ballenberg und Präsidentin der SGV) widmen sich etwa ein Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen eines SNF-Forschungsprojekt der Geschichte ausgewählter Bauernhäuser im Freilichtmuseum Ballenberg. Der untersuchte Zeitraum reicht von der Gegenwart bis in jene Vergangenheit, die noch über Quellen belegt werden kann

«Als man die Bauernhäuser in den letzten Jahrzehnten die Häuser abgebaut hat, hat man zwar die Baugeschichte dokumentiert», erklärt Walter Leimgruber, «aber man hat keine Forschung betrieben zu den Menschen, die in diesen Bauernhäusern gelebt haben.» Anhand ausgewählter Fallbeispiele werden nun die Lebensgeschichten der Bauernhäuser und der Menschen, die in ihnen gelebt haben, rekonstruiert. «Die Häuser, die hier auf dem Ballenberg stehen, können immernoch beforscht werden», so Beatrice Tobler. Das sei aber nicht mehr im selben Masse möglich wie zur Zeit, als sie an ihrem Ursprungsort standen. «Heute interessieren wir uns für die Alltagsrealitäten der einzelnen Personen», sagt SGV-Präsidentin Beatrice Tobler. «Auf dem Ballenberg suchen wir Geschichten von Menschen, denn mit diesen Geschichten kann man auch Leute erreichen, die keine Erinnerungen an diese ländliche Welt haben», weiss die Bauernhausforscherin.

«Wir wollen aufzeigen, wie sich das ländliche Leben der Schweiz im Laufe der Zeit entwickelt hat», beschreibt Walter Leimgruber das Ziel dieses SNF-Forschungsprojekts. «Das Besondere dabei ist», so Leimgruber, «dass wir sehr interdisziplinär aufgestellt sind.» Im Team sind nicht nur Kulturanthropogen und Architektinnen, sondern auch Historikerinnen, Bauforschende und Kunsthistorikerinnen. 

Das Freilichtmuseum Ballenberg beherbergt über einhundert alte Bauernhäuser aus allen Regionen der Schweiz und dokumentiert damit das ländliche und dörfliche Leben einer längst vergangenen Zeit. Die Häuser regen jedoch nicht nur ein interessiertes Museums-Publikum an, sondern stellen auch die Grundlage für viele Forschungsfragen dar. Doktorierende der Universität Basel widmen sich der Untersuchung dieser Verwobenheit von Bauen, Leben, Wohnen und Wirtschaftens im Laufe der Generationen. Dabei wird ein interdisziplinärer Ansatz verfolgt: nicht nur die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Lebensweise wird untersucht, sondern auch bauhistorische, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, kulturanthropologische und biographische Ansätze. Dabei fokussiert das Projekt auf die Transformationsprozesse, auf Wandel und Krisen.