News

Sinergiaprojekt: Partizipative Wissenspraktiken in analogen und digitalen Bildarchiven

Der Schweizerische Nationalfonds fördert das Sinergiaprojekt, das von Walter Leimgruber, Peter Fornaro (beide Universität Basel) und Ulrike Felsing (HKB Bern) geleitet wird (2021–2025).

Der Schweizerische Nationalfonds fördert das Sinergiaprojekt, das von Walter Leimgruber, Peter Fornaro (beide Universität Basel) und Ulrike Felsing (HKB Bern) geleitet wird (2021–2025). Das gemeinsame Ziel ist die Ermöglichung der partizipativen Nutzung des Fotoarchivs der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde (SGV) durch ein Interfacedesign, welches das Annotieren, Kontextualisieren, Strukturieren und Verknüpfen von Bildern und ihren Metainformationen unterstützt. In einer Reihe von Workshops und Interviews mit akademischen und nicht-akademischen Nutzenden sowie mit ArchivarInnen und DatenbankspezialistInnen wird das Projekt die neuen Anforderungen der digitalen (und prozessorientierten) Wissensproduktion analysieren, um diese Ziele zu erreichen. 

In einer eigenen Rubrik – Citizen Archive – erhalten Nutzende der bestehenden Netzwerke und Partner der SGV eine Reihe von Calls for Images, die sie einladen, aktuelle Fotografien als Kommentare zu historischen Bildern hochzuladen; dies wird die Kontextualisierung des Archivmaterials weiter fördern. Eine solche Analyse des Kontextes von Bildern und Sammlungen (Crowdsourcing) wird die Metadaten des Materials anreichern und damit auch die Bildsuche und die Informationsbeschaffung verbessern. 

Neben der Konzeption des partizipativen digitalen Bildarchivs wird in diesem vierjährigen Forschungsprojekt die Transformation von analogen Archiven in digitale Archive aus der Perspektive der Technologie, der Kommunikation und der Wissensethnologie beschrieben. Das gemeinsame Ziel ist die Analyse und systematische Beschreibung historischer und zeitgenössischer Archivierungspraktiken: die Generierung, Organisation, Speicherung und Kommunikation von Wissen. Das komplexe Zusammenspiel von Beteiligten, Wissensordnungen sowie die grafische Darstellung von Information und Wissen in solchen Praktiken wird im Zusammenhang mit drei Sammlungen aus dem Fotoarchiv der SGV untersucht. In der bisherigen Forschung wurden diese Bereiche meist getrennt betrachtet und nicht aus einer interdisziplinären, domänenübergreifenden und anwendungsorientierten Perspektive, die ein solches Zusammenspiel erfassen kann. 

Demgegenüber dient die interdisziplinäre Zusammenarbeit der digitalen Geisteswissenschaften, der Kulturanthropologie und der Designforschung in dem vorgeschlagenen Projekt unserem Ziel, das Wissen über analoge und insbesondere digitale Bildarchive und deren Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern, zu verbessern und zu vermitteln. Dieses Bildarchiv ist ein wichtiger Teil des kulturellen Gedächtnisses der Schweiz; es enthält zugängliche Bilder, die nach Themen wie Tradition, Identität, Lebensstil und Alltag geordnet sind. Es ist ein breites öffentliches Interesse an diesen Materialien zu erwarten. Das Forschungsprojekt möchte – auch mit Hilfe einer zu entwickelnden Deep-Learning-Komponente – das bewahren, was am meisten gefährdet ist: die persönlichen Berichte jener Zeitzeugen, die die vom Fotoarchiv der SGV repräsentierten historischen Epochen durchlebt haben. Alle geplanten technologischen Entwicklungen des Projekts, einschließlich der Deep-Learning-Komponente, basieren auf der Prämisse der Skalierbarkeit, d.h. die Methoden und die Technologie müssen auf die Bestände anderer Sammlungen der Digitalen Geisteswissenschaften übertragbar sein. 

Als gemeinsame primäre Ergebnisse wird das Projekt nicht nur die oben diskutierte visuelle Schnittstelle, eine dynamische Speicherinfrastruktur, sondern auch ein Handbuch mit Richtlinien für die zukünftige Entwicklung von partizipativen Archiven sowie sechs Dissertationen und mehrere wissenschaftliche Arbeiten in den verschiedenen Disziplinen hervorbringen.