News

Neueröffnung Schweizerisches Agrarmuseum Burgrain

mit über zweihundert Fotografien von Ernst Brunner aus dem Fotoarchiv der SGV

Neueröffnung am Sonntag, 6. Juni 2021 ab 14.00 h

Im Zentrum des Schweizerischen Agrarmuseums Burgrain steht die neue Hauptausstellung „Wer ist Landwirtschaft?“. Auf 1800 m2 und in zehn unterschiedlich gestalteten Brennpunkten, mit über hundert Sammlungsobjekten und mehr als zweihundert historischen Fotografien von Ernst Brunner zeigt sie aktuelle Konflikte auf: Beispielsweise in der industriellen Lebensmittelproduktion, im Umgang mit Pestiziden und Gülle, im Verlust von Biodiversität und nicht zuletzt bei den Konsument*innen, die alles makellos, normiert - und vor allem billig - in den Supermärkten kaufen wollen.

Ernst Brunners Sammlung alter Gerätschaften wurde zum Grundstein des heutigen „schweizerischen agrarmuseum burgrain“ in Alberswil. Bei dessen 50-Jahr-Jubiläum 2004 durfte Josef Muheim (SGV-Mitglied) – der Ernst Brunner noch als älteren Mann kennengelernt hatte – das Fest-Referat halten. Hier sind einige Passagen aus seiner Rede:

Brunners Vorliebe als Pressefotograf war seinerzeit, das Ablichten der Leute bei der Arbeit. Deshalb hat er noch Bezug zu vielen Gerätschaften, welche teilweise noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Gebrauch gestanden sind. In Sorge um den Erhalt dieser Kulturgüter legt der Aufnahmeleiter eine Sammlung an. An verschiedenen Orten erhält dieses teilweise sperrige Inventar Unterschlupf. Ein grosser Glücksfall passiert 1970, wo das bereits zum Abbruch verurteilte Bürgerheim Burgrain in Alberswil zur Aufnahme dieser Sachgüter frei gegeben wird. Ein ehemaliges Altersasyl wird zum Asyl für Brunner’s Kulturgüter.

Erst posthum entdeckt man ihn als Fotograf mit nationalem Format. Seine Bilder zwischen 1937-1962 thematisieren mit einer konservativen Ästhetik das ländliche Leben und stehen im Dienst einer volkskundlichen Dokumentation. Seine schwarzweiss Bilder im Spiel von Licht und Schatten zeigen winzige Details. Es sind Bilder die sprechen, Bestandesaufnahmen in einer rasch sich veränderten Welt. An der Vernissage des Foto-Bandes im Mai 1995 sagt Erziehungsdirektorin Brigitte Mürner: „Aus Brunners Fotografien sprechen Entbehrungen, welche der heutigen Jugend fehlen“. Ernst Brunner hat Entbehrungen erlebt. Er war in den   Dreissiger Jahren ein Opfer der Arbeitslosigkeit. Er hat aber aus dieser Situation einen Weg gefunden. Hoffen wir das die Findung von Wegen auch der heutigen jungen Generation möglich sind, und da und dort auch wieder aussergewöhnliche Spuren hinterlassen.

Josef Muheim, Auszüge aus dem Jubiläumsreferat anlässlich der Generalversammlung „Burgrain“ vom 29. Mai 2004