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Studienreise: 21. Volkskundliche Studienreise nach Bulgarien

14.09.2016 - 25.09.2016
Bulgarien,
Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV)

Bulgarien ist ein kleines, gebirgiges Land mitten auf der Balkan-Halbinsel; es hat zwei weitläufige Ebenen und eine ca. 400 km lange Küste. Das 550 km lange Balkan-Gebirge, das der Halbinsel ihren Namen gibt, teilt das Land in zwei fast gleich grosse Teile – Süd- und Nordbulgarien. Unsere SGV-Reise findet in Südbulgarien statt.
Südbulgarien ist von den hohen Bergen Rila, Pirin und Rhodopen geprägt. Der höchste Gipfel Bulgariens ist Mussala (2925 m) im Rila-Gebirge. Die nördliche Grenze Südbulgariens ist die lange Bergkette des Balkan-Gebirges. Im Süden befinden sich das Rosental und die breite Thrakische Tiefebene, auch Thrakia-Tal genannt. Die Hauptstadt Sofia liegt in Südbulgarien und ist mit Abstand die grösste Stadt des Landes (1,3 Mio. Einw.). Die zweitgrösste Stadt ist Plovdiv (350‘000 Einwohner) und liegt ebenfalls in Südbulgarien.

Die Landessprache ist Bulgarisch. Etwa die Hälfte der 7,3 Mio. Menschen wohnt in Städten. 80% der Bevölkerung sind ethnische Bulgaren, 8% Türken und 10% sind Roma. Kleinere Minderheiten sind Juden, Armenier, Griechen und Russen. 87% gehören der bulgarisch-orthodoxen Kirche an und rund 12% sind Muslime. Die bulgarisch-orthodoxe Kirche ist unabhängig, an der Spitze steht der bulgarische Patriarch Neofit. Im Rhodopen-Gebirge gibt es die Gruppe der so genannten Pomaken. Das sind Nachfolger jener christlichen Bulgaren, die im 16.-17. Jh. von den Osmanen mit Gewalt zum Islam bekehrt worden sind.

Schon vor 7000 Jahren lebte auf bulgarischem Territorium eine hoch entwickelte Zivilisation. Die Thraker siedelten um das 2. Jt. v. Chr. und gingen im 1. Jh. n. Chr. im römischen Reich auf. Der Herrscher Asparuh gründete 681 n. Chr. das Erste Bulgarenreich. Das Zweite Bulgarenreich dehnte die Grenzen des Landes bis zu den drei Meeren (Schwarzes Meer, Ägäis und Adria) aus. 1396 wurde Bulgarien für 500 Jahre Teil des Osmanischen Reichs, in den bulgarischen Schulbücher als türkisches Joch bezeichnet. 1878, nach dem russisch-türkischen Krieg, wurde im Friedensschluss von San Stefano die Grundlage für einen bulgarischen Staat gelegt. 1944 marschierte die russische Armee in Bulgarien ein und läutete damit die kommunistische Ära ein, die bis 1989 dauerte.

Heute ist Bulgarien eine parlamentarische Demokratie mit einem Einkammerparlament mit 240 Abgeordneten. Seit 2004 ist Bulgarien Mitglied der NATO und seit 2007 Mitglied der Europäischen Union. Die führende Partei ist die „Bürger für eine europäische Entwicklung Bulgariens“. Bulgarien ist ein Zentralstaat mit 28 Verwaltungsgebieten, die von staatlich ernannten Gouverneuren geleitet werden.

Mit der Wende 1989 wurde in Bulgarien die Marktwirtschaft eingeführt. Die wichtigsten Wirtschaftszweige sind Nahrungsmittel-, Metall- und Textilindustrie, chemische Industrie, Energiewirtschaft, Stahlproduktion und Tourismus. Bulgarien ist auf jeden Fall ein Agrarland: Getreide, Sonnenblumenöl, Mais, Früchte und in den Gebirgsregionen Kartoffeln, Tabak und Gemüse werden angebaut. In Südbulgarien liegen vier von fünf Weinbauregionen Bulgariens: Schwarzmeerküste, Thrakia-Tal, Rosental und Struma-Tal. Von den einheimischen roten Rebsorten Mavrud und Melnik werden erlesenen Weine produziert.

Dobre doschli vav Balgariya! – Herzlich willkommen in Bulgarien! Georgi Palahutev

Reiseprogramm

Anreise Mittwoch:
Flug Zürich - Sofia, Bahnreise ist möglich und ein zusätzliches Erlebnis
Bustransfer nach Plovdiv (ca. 1 ½ Std.)
Hotelbezug im Zentrum von Plovdiv für 8 Nächte

Plovdiv Donnerstag:
Plovdiv im Herzen der thrakischen Ebene war in der Antike die römische Stadt Trimontium, heute mit 350’000 Einwohnern die zweitgrösste bulgarische Stadt.
Vormittag: Altstadt von Plovdiv: typische Wiedergeburtshäuser aus dem 19. Jh., Ethnographisches Museum, Kirche Konstantin und Helena und römisches Theater aus dem 2. Jh.
Mittagessen: Plovdiv: auf beiden Seiten der Fussgängerstrasse reihen sich Restaurants und Cafés, aber auch in der Altstadt gibt es Möglichkeiten zum Essen.
Nachmittag: Ruinen des römischen Stadions, des römischen Odeons und römischen Forums, Dzhumaya Moschee, Kirche Sveta Marina und Zentrum von Plovdiv.

Bachkovo-Kloster und Chepelare Freitag:
Vormittag: Besichtigung des Bachkovo-Klosters, dem zweitgrössten Kloster Bulgariens (Fresken aus dem Jahr 1643, mittelalterlicher Speisesaal, wundertätige Ikone, Kirche). Fahrt durch die Bergwelt der Rhodopen.
Mittagessen: Wir sind zu Gast bei einer einheimischen Familie in Chepelare. Wir kosten hausgemachte Spezialitäten, hören den Klang des typischen Dudelsacks und sprechen mit unseren Gastgebern.
Nachmittag: Spaziergang durch die Stadt Chepelare und Besuch des lokalen Karst-Museums.

Weltkulturerbe Nessebar Samstag:
Vormittag: ca. 3 Std. Fahrt nach Nessebar an der Schwarzmeerküste. Rundgang durch Nessebar.
Mittagessen: Nessebar, Fischrestaurants mit Blick aufs Meer.
Nachmittag: Altstadt von Nessebar (UNESCO-Weltkulturerbe): typische Wohnhäuser und byzantinische Kirchen. Besuch der mittelalterlichen Kirche Heiliger Stefan mit Fresken aus dem 16.-18. Jh.; Rückfahrt nach Plovdiv.

Sofia Sonntag:
Vormittag: ca. 1,5 Std. Fahrt nach Sofia. Stadtrundgang durch die bulgarische Hauptstadt: Alexander-Nevski-Kathedrale mit ihren Goldkuppeln, Ruinen der römischen Stadt Serdica, die Mineralwasserquellen. Am Sonntag ist es ruhig in Sofia – eine gute Zeit die Hauptstadt zu besichtigen.
Mittagessen: Sofia.
Nachmittag: Archäologisches Nationalmuseum mit den erstaunlichen thrakischen Gold- und Silberschätzen. Besichtigung der Boyana-Kirche (UNESCO-Weltkulturerbe) mit Fresken aus dem Jahr 1259.

Fahrt mit der Schmalspurbahn und Teppichweberei Montag:
Vormittag: Fahrt mit der einzigen Schmalspurbahn Bulgariens durch die Rhodopen. Mit dieser Bahn fahren auch die Einheimischen. Besuch einer traditionellen Teppichweberei. In der Teppichweberei arbeiten muslimische Frauen der muslimischen Minderheit in Bulgarien: Gespräch.
Mittagessen: beim Stausee Batak.
Nachmittag: Besuch der Stadt Batak: die örtliche Kirche (sie ist mit der Freiheitsbewegung 1876 verbunden) und das Historische Museum. Besichtigung der Ruinen der Roten Kirche aus dem 5. Jh.

Thraker und Weinprobe Dienstag:
Vormittag: Fahrt nach Kazanlak. Unweit von der Stadt befindet sich die antike Nekropole der einst mächtigen thrakischen Hauptstadt – Seuthopolis. Besichtigung des thrakischen Kuppelgrabs bei Shipka (5. Jh. v. Chr.). Unweit vom Grab ist auch die sehenswerte Russische Kirche.
Mittagessen: Kazanlak.
Die Thraker waren ein indogermanisches Volk, das vor mehr als 4000 Jahren auf bulgarischem Boden (und sogar bis Kleinasien) lebte. Die thrakische Kunst hinterliess u.a. bemerkenswerte Schätze, Grabstätten und heilige Stätten.
Nachmittag: Besichtigung des berühmten thrakischen Kuppelgrabs in Kazanlak (UNESCO-Weltkulturerbe) aus dem 3. Jh. v. Chr. Das Originalgrab ist nur noch für wissenschaftliche Zwecke zugänglich, deshalb besichtigen wir die Replik im Museum. Weiterfahrt. Besuch eines Weinguts: Spaziergang durch die Weinfelder, Gespräch mit den Winzern, Weinprobe von Mavrud-Trauben.

Bulgarische Rosen Mittwoch:
Vormittag: Fahrt zum bulgarischen Rosental. Das ist ein kleines Landstück zwischen dem Balkan- und Mittelgebirge, ca. 80 km nördlich von Plovdiv. Hier wird seit etwa 350 Jahren die ölgebende Rose “Rosa Damscena” angebaut. Besuch einer familiengeführten Rosenöldestillerie.
Mittagessen: Wir sind zu Gast bei einer einheimischen Familie in Kalofer. Wir kosten Spezialitäten und probieren von der hauseigenen Rosenkonfitüre. Gespräch mit unseren Gastgebern.
Nachmittag: Rundgang durch die historische Stadt Hisarya: Ruinen der römischen Festung und Bäder, Thermalquellen. Besichtigung des thrakischen Tempels bei Starosel aus dem 4. Jh. v. Chr.

Rila-Kloster Donnerstag:
Vormittag: Fahrt durch die Bergwelt des alpinen Rila-Gebirges.
Mittagessen: unterwegs in einem familiengeführten Restaurant: frische Forelle vom Rila-Gebirge.
Nachmittag: Besichtigung des grössten und schönsten bulgarischen Klosters – Rila-Kloster (UNESCO-Weltkulturerbe). Wir besichtigen eine Mönchszelle, das historische Museum und die Klosterkirche mit grossflächigen Wandmalereien. Weiterfahrt nach Sandanski im Dreiländereck.
3 Nächte in Sandanski.

Rupite und Sandanski, Konzert mit orthodoxem Chor Freitag:
Vormittag: Besuch der Gegend Rupite. Hier wohnte in der 1990-er Jahren die berühmteste Seherin und Wahrsagerin Bulgariens – Baba Wanga. Besichtigung der örtlichen Kirche. Besuch eines Denkmals der mittelalterlichen bulgarischen Geschichte.
Mittagessen: Sandanski.
Nachmittag: Rundgang durch die sonnenreiche Stadt Sandanski am Fusse des Pirin-Gebirges. Geniessen Sie den Rest des Nachmittags zur freien Verfügung. Unser Hotel verfügt über ein Hallenbad und Aussenpool mit Thermalwasser, SPA- und Wellness-Bereich. Es liegt am Ende der Fussgängerzone und direkt am Eingang zum städtischen Park. Am späten Nachmittag erleben Sie in der örtlichen Kirche ein Konzert eines einheimischen orthodoxen Chors. Anschliessend Gespräch mit den Sängern.

Rozhen-Kloster, Melnik und Weinprobe Samstag:
Vormittag: Spaziergang zum Rozhen-Kloster (ca. 45 Min., Teerstrasse). Besuch des idyllischen Rozhen-Klosters. Rundgang durch die kleinste Stadt Bulgariens – Melnik (ca. 350 Einwohner) – mit herrlicher Lage inmitten von Sandsteinformationen. Besuch eines Haus-Museums mit Weintunneln.
Mittagessen: Melnik.
Nachmittag: Besuch eines familiengeführten Weinkellers. Besichtigung der modernen Kellerei und Weinprobe des einheimischen autochthonen Rotweins Melnik. Gespräch mit den Winzern.

Rückreise Sonntag:
Transfer zum Flughafen in Sofia (ca. 2 ½ Std) und Rückflug oder
Rückreise mit der Bahn

Preise und Anmeldung

Inbegriffen sind:

  • Flug Economy von Zürich nach Sofia und zurück oder Bahnreise*
  • Unterkunft während der ganzen Reise in schönen Mittelklasse-Hotels
  • Halbpension ohne Getränke
  • die wissenschaftliche Führung durch bulgarischen, deutschsprachigen Reiseführer
  • und alle lokalen Eintritte und Führungen.

Preis
im Doppelzimmer Fr. 2’400.-
Zuschlag für Einzelzimmer Fr. 250.-

Preisänderungen bis zur Bestätigung sind nicht ausgeschlossen, aber wenig wahrscheinlich. Die Kalkulation basiert auf CHF/EUR von 1.10. Ein allfälliger Gewinn aus den volkskundlichen Reisen kommt wie immer der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde zugute.
Programmänderungen und Ergänzungen behalten wir uns bei der Feinplanung ausdrücklich vor. So sind einzelne Besichtigungen noch nicht abgesprochen und das lokale kulturelle Angebot heute noch nicht bekannt. DieTeilnehmenden erhalten ca. einen Monat vor Reisebeginn ein
detailliertes Programm.

* Abreise am Montagabend mit direktem Nachtzug Zürich-Belgrad (ab 20.40 h, an 17.32 h).
4½ Stunden Aufenthalt in Belgrad, weiter mit Nachtzug nach Sofia (10½ Std.). Die Fahrpläne für 2016 werden erst Mitte Dezember publiziert.

Anmeldetermine
1. Reise Ende 15. Februar 2016; 2. Reise Ende Juni 2016

Wir berücksichtigen maximal 30 Teilnehmer pro Reisetermin in der Reihenfolge der Anmeldungen. Bei weniger als 20 Anmeldungen pro Reise werden wir das Angebot überprüfen und mit den Angemeldeten Kontakt aufnehmen.
Als Veranstalter ist die Schweiz. Gesellschaft für Volkskunde bei der AXA-Winterthur gem. Bundesgesetz über Pauschalreisen versichert.

Wissenschaftliche Leitung:
Georgi Palahutev
ul. Karpati 8, app. 17
Sofia 1618
Tel. +359 2 855 23 51
georgi@palahutev.com
www.palahutev.com

Mitautor des DuMont Reise-Handbuchs "Bulgarien" und staatlich geprüfter Reiseleiter. Auf Ihrer Reise werde ich Sie persönlich begleiten.

Administrative Leitung:
Hans-Ulrich Vollenweider
Ritterhof 3
8460 Marthalen
Tel. 052 319 22 45
Fax 052 319 37 47
hvollenweider@gmail.com

Ich freue mich auf Ihre Anmeldung und beantworte gerne Ihre allfälligen Fragen.

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