Geschichte / Ziele / Statuten

Die Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV/SSTP) bemüht sich seit mittlerweile mehr als hundert Jahren (Gründung 1896), das schweizerische Alltagsleben, die Volkskultur von Vergangenheit und Gegenwart in ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen zu untersuchen. Sie vermittelt die Ergebnisse dieser Forschung in wissenschaftlich fundierter, aber doch eingänglicher Form nicht nur ihren rund 1'300 Mitgliedern, sondern über ihre Publikationen und Veranstaltungen auch einem breiteren Publikum. Entsprechend der Veränderung der schweizerischen Kultur und der volkskundlichen Forschung haben sich die Arbeitsschwerpunkte im Laufe dieses Jahrhunderts immer wieder verändert. Stand in den dreissiger und vierziger Jahren zum Beispiel die Arbeit am Atlas der schweizerischen Volkskunde im Zentrum, bei der in grossangelegten, gesamtschweizerischen Enquêten eine Zustandsbeschreibung zentraler Parameter des ländlichen Alltagslebens erarbeitet wurde, so verlagerte sich die Konzentration in späteren Jahren auf die Sammlung und Dokumentation von Volksliedern (mit fünf Platteneditionen), und seit den 1960er Jahren stehen die Bauernhausforschung und der volkskundliche Dokumentarfilm im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Als neueste Entwicklung in der Geschichte unserer Gesellschaft kann man die Aufarbeitung bedeutender Fotosammlungen im Besitz des Instituts für Volkskunde betrachten, die auf zunehmendes Interesse in der Öffentlichkeit stossen. Daneben führt die Gesellschaft einen Verlag und eine Bibliothek in ihrem Institut.

Die Arbeit der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde gewinnt immer mehr an Bedeutung, je schneller durch die voranschreitende Industrialisierung und Urbanisierung traditionelle Formen des Lebens und Arbeitens verlorengehen und je dringender daher die Bewahrung von Dokumenten aller Art wird, die diese Traditionen beschreiben und in irgendeiner Form festhalten. Dies zeigt sich insbesondere in der Film- und Broschürenreihe Altes Handwerk, in der seit den 1940er Jahren Handwerke wie das Rechenmachen oder ländliche Arbeiten wie das gemeinsame Brotbacken geschildert wurden, die heute bereits nicht mehr existieren. Die Gesellschaft für Volkskunde trägt so in vielfältigen Bereichen zur Bewahrung und Weitergabe eines 'patrimoine immatériel' bei, dessen Stellenwert in der Kulturpolitik inzwischen allgemein anerkannt wird. Es findet seinen Ausdruck in zahlreichen Aktivitäten, die alle Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens umfassen, von lokalen Initiativen zur Brauchtumsförderung bis zu übernationalen Bestrebungen, wie sie die UNESCO in ihrer «Empfehlung zur Förderung des kulturellen Erbes» (1989) anmahnt.

Im Lichte dieser Entwicklungen ist es um so bedauerlicher, dass durch die fortgesetzten Kürzungen kantonaler und eidgenössischer Subventionen und durch einen Mitgliederschwund das Wirken unserer Gesellschaft im Moment ernsthaft gefährdet ist. Die SGV musste in den letzten Jahren eine Reduktion der Subventionen von mehr als 30% hinnehmen - eine Einschränkung der finanziellen Mittel, die nicht ohne Auswirkungen auf die Arbeit in den einzelnen Abteilungen bleiben konnte und diese immer mehr in Frage stellt.

Deshalb unser Aufruf: Wenn Sie sich angesprochen fühlen und unsere Arbeit unterstützen möchten, werden Sie Mitglied unserer Gesellschaft!
 

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