Tagungen

Donnerstag 05. April 2018 — Samstag 07. April 2018 — Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Alte Universität, Rheinsprung 9, CH-4051 Basel

CfP zur Tagung "Embedded Digitalities"

DGV-Kommission „Digitalisierung im Alltag“/Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde/Tsanta

Seit der Gründung der DGV-Kommission „Digitalisierung im Alltag“ im Jahr 2011 werden in den von ihr organisierten Tagungen Debatten um kulturanalytische Fragen zu Digitalisierung und Digitalität geführt. Bisher stand dabei vor allem die Ergründung des weiten Feldes und der spezifischen Logiken digitaler Phänomene im Vordergrund: so beispielsweise mit den Themen „Konzepte und Theorien der Digitalisierung“ (2014), „Digitale Praxen“ (2015) und „(H)acktivismus und Partizipation? Zur Frage nach der politischen Dimension des Digitalen“ (2016). Inzwischen lässt sich beobachten, dass Forschende in allen gegenwärtig relevanten kulturwissenschaftlich/-anthropologischen Forschungsfeldern mit digitalen Phänomenen, Prozessen oder Infrastrukturen konfrontiert sind und die Digitalisierungsforschung aus der Nische einer Subdisziplin heraustritt. Mit dem zentralen Fokus der Tagung 2018 auf das Thema „Einbettungen“ macht die Kommission diese Entwicklung explizit zum Thema. Das Digitale wird als eine relationale Konstruktion in den Blick genommen und es soll gezielt nach den verschiedenen Weisen gefragt werden, in denen digitale Medien, Technologien, Ideologien, Infrastrukturen etc. eingebunden sind.
Wir laden dafür alle Interessierten herzlich zu Beiträgen ein, die anhand konkreter Forschungen und auf der Grundlage unterschiedlicher theoretischer und methodischer Zugänge die sozialen und ökonomischen, politischen und kulturellen Einbettungen digitaler Situationen, Praxen, Prozesse, Infrastrukturen reflektieren und daraufhin befragen, welche Relevanz das Digitale in den Verflechtungen von Forschungssituationen entfaltet, welche Macht dabei ausgeübt wird, welche Handlungspotentiale eröffnet oder auch geschlossen werden, wie sich dabei „agency“ verteilt oder Komplizenschaft generiert.

Einbettung kann dabei auf unterschiedliche Weise gefasst werden:
1. Konzepte dessen, was als Digitalisierung verstanden wird, sind disziplinär und in englisch-, deutsch- und französischssprachige Diskurse unterschiedlich eingebettet. Was unterscheidet diese Einbettungen konkret, wo können sie sich produktiv ergänzen und was hat sich dabei in den letzten Jahren der Digitalisierungsforschung verändert?

2. Aufgrund der Allgegenwart von digitalen Medien in allen Lebensbereichen, sind digitale Technologien und Ideologien unvermeidlich auch Teil verschiedenster Gegenstände, die für die kulturwissenschaftlich/-anthropologische Forschung von Bedeutung sind. Wie lassen sich dabei Stellenwert bzw. Relevanz digitaler Mechanismen in Forschungssituationen bestimmen? Wie ist das Digitale eingebettet in die sozialen Welten, die untersucht werden? Wie interagiert es mit verschiedenen sensorischen, atmosphärischen und materiellen Elementen? Wie wirkt die Logik „digitalen Denkens“ in bits und Datenbanken bzw. eine Sprache der Digitalisierung durch die Übertragung von Begriffen und Metaphern in nicht technologisch digitalisierte Sprache zurück? Inwieweit kann auch ein „non-digital-centric approach“ (Pink 2016) der Allgegenwärtigkeit des Digitalen gerecht werden? Was bedeutet das für die möglichen Ergebnisse?

3. Und schliesslich haben die technologischen Veränderungen in der Wissensarbeit auch die Praxen des Forschens selbst verändert. Wie genau interagieren dabei verschieden mediatisierte Kontakte mit GesprächspartnerInnen; wie computergestützte Methoden der Dokumentation, Ordnung und Auswertung von Forschungsdaten mit Forschungspraxen ohne digitale Technologien? Wie sind konventionelle wissenschaftliche und digitale Publikationspraxen in Forschungsdesigns miteinander verflochten? Welche Erfahrungen gibt es mit Anwendungen bzw. Entwicklungen eigener Forschungssoftware, mit digitalen Impulssetzungen oder direkten Interventionen in sozialen Feldern, die untersucht werden? Welche Art von Ergebnissen können dabei erzielt werden?

Abstracts von max. 1500 Zeichen bitten wir mit wissenschaftlicher Kurzbiographie und kurzen Erläuterungen zu Ihren Arbeitsschwerpunkten bis 15.10.2017 an
moritz.dolinga@stud.unibas.ch zu senden.

Für weitere Informationen zu Tagung stehen Ihnen die OrganisatorInnen am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel gern zur Verfügung. Fragen richten Sie bitte an:

ina.dietzsch@unibas.ch
Tel.: 0041 61 207 18 59/1241 oder 1242.

oder auf Englisch an David Bozzini:
david.bozzini@unibas.ch

Zu Fragen an die Kommission nehmen Sie bitte mit einer der Sprecherinnen Kontakt auf, deren Kontaktdaten sie unter: http://www.goingdigital.de/mitglieder/ finden.

Donnerstag 16. November 2017 — Samstag 18. November 2017 — Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien

Orientieren & Positionieren, Anknüpfen & Weitermachen: Wissensgeschichte der Volkskunde/Kulturwissenschaft in Europa nach 1945

Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV) & Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien

…and would in a few years make all Europe, or the greater part of it,
as free and as happy as Switzerland is today.

Am 19. Dezember 1946 hielt Winston Churchill vor akademischem Publikum seine „Europa-Rede“, in welcher er für den zerstörten Kontinent ein Konzept der „European Family in a regional structure“ entwarf und einen Zusammenschluss jenseits nationalistischer Tendenzen proklamierte. Dass der einflussreiche Politiker ausgerechnet an der Universität Zürich sprach, unterstreicht die Rolle und die Darstellung der Schweiz als transnationales, vielfach genutztes und gedeutetes Leitbild der unmittelbaren Nachkriegszeit. Gerade für die „kleinen Nationen“ (Churchill) wie Österreich diente die Schweiz in den komplexen staatlichen wie regionalen Selbst- bzw. Identitätsfindungsprozessen nach 1945 als Orientierungs- und Positionierungshilfe.
Fast gleichzeitig und mit der praktisch gleichen Funktion bot Richard Weiss‘ Grundriss Volkskunde der Schweiz (1946) dem Fach Volkskunde in den NS-korrumpierten Ländern Ausgangspunkt zu einem disziplinären Neustart. Den AkteurInnen der Schweizer Volkskunde wurde europaweit quasi eine Moderatorenrolle für die Neuorientierung des Faches in Epistemologie, Methoden und Fachkonzeption zugesprochen. Zugleich verbanden sich mit den „Schweizern“ auch Hoffnungen auf eine Weiterarbeit in bestehenden persönlichen wie institutionellen Netzwerken. Insofern sagt das Bild einer „neutralen Schweizer Volkskunde“ viel über disziplinäre Verhältnisse nach 1945 aus.
Die Tagung der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde und des Vereins für Volkskunde in Wien nimmt diese gesellschaftsrelevanten wie wissenschaftsstrategischen „Schweiz-Bilder“ zum Ausgangspunkt kulturwissenschaftlicher Reflexionen über Aspekte von Internationalisierung bzw. Europäisierung, von nationaler und regionaler Konzeption des fachlichen Wissens in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die in solche Erzählungen eingeschriebenen Vorstellungen von Peripherie und Zentrum volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Wissensproduktion und ihre hohe Wirkmächtigkeit sollen analysiert werden. An der volkskundlichen Fach-, Wissens- und Institutionengeschichte lassen sich diese vielfältig politischen Prozesse
nachzeichnen, die in Österreich etwa am Volkskundemuseum in Wien zu finden sind. Das Österreichische Museum für Volkskunde ist auch Veranstaltungsort der
Tagung 2017.
Im analytischen Nachvollzug von Strategien, Praktiken und Allianzen der Wissenskonstruktion will die Tagung die Frage nach den Funktionen dieses volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Wissens im jeweiligen gesellschaftsgeschichtlichen Kontext stellen und zentral positionieren.

OrganisatorInnen:

Dr. Sabine Eggmann, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV), Basel/CH
Mag.a Birgit Johler, Haus der Geschichte Österreich, Wien/A
Dr. Konrad Kuhn, Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie,
Universität Basel/CH & Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie - Fachbereich Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck/A
Mag.a Magdalena Puchberger, Institut für Europäische Ethnologie, Universität
Wien/A

Vergangene Tagungen

Donnerstag 07. September 2017 — Samstag 09. September 2017 — Basel & Zürich

Von Schlemmer bis Veganer: Die Kultur von Essen

Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde (SGV)

Die Studierendentagung bietet die Möglichkeit, in die aktuellen Debatten und Forschungstätigkeiten der Kulturanthropologie einzutauchen. Anhand unterschiedlicher Formate wird das wissenschaftliche Arbeiten – am spezifischen Thema Essen – vorgestellt und gemeinsam trainiert. Von der Präsentation eigener (Seminar)-Arbeiten über Science Slam und Filmanalyse bis hin zu vertieften Textdiskussionen wird der Austausch über kulturanthropologisches Denken und Forschen angeregt. Alle Teilnehmenden erhalten einen Reader mit ausgewählter Fachliteratur, um sich inhaltlich einzulesen und die gemeinsamen Diskussionen an der Tagung vorzubereiten.


Anmeldung unter Sabine.Eggmann@volkskunde.ch . Plätze sind beschränkt!

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